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Mutti und die Schule - Meine Ausbildung zur Kosmetikerin

|Life|


Nach dem Bestehen der 10. Klasse und einem Ausbildungsvertrag in der Tasche, war ich mir ganz sicher, dass ich außer an den obligatorischen Berufsschultagen neben der Ausbildung keine weitere Zeit mehr einer Schule verbringen wollte. Ich wollte Geld verdienen, die Welt bereisen und so richtig losstarten und genau das, hatte auch meine „Ursprungsfamilie“ für mich vorgesehen.

Aber zwei Jahre nach Beginn meiner Ausbildung, hatte das Leben wie so oft, einen anderen Plan für mich.

Ich wurde Mutter, Mutter von Zwillingen…wunderschöne, süße Zwillinge.

Aber das hatte keinen großen Wert, weder für die Gesellschaft noch für meine Ursprungsfamilie. Ganz im Gegenteil, so früh Mutter zu werden war fast schon ein Verrat an den Werten, die mir aufdiktiert wurden, etwas was einfach nicht in das Weltbild der anderen passte.

Das alles spielte jetzt aber keine Rolle mehr für mich, ich entschied mich ganz bewusst dafür, nicht auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen zu wollen und mich vollkommen auf das Muttersein zu konzentrieren.

Jetzt über zwei Jahrzehnte später, kann ich gar nicht in Worte fassen, wie stolz ich auf meine unglaublichen Jungs bin. Mittlerweile sind meine Zwillies 23 Jahre alt und Junior#3 ist schon fast 16 Jahre. Alle drei so unglaublich weitsichtig, ehrgeizig, liebevoll und voller Pläne für die Zukunft.

Nicht eine Sekunde meines Lebens habe ich darauf verschwendet meine Entscheidung Mutter zu werden zu bereuen. Jeden Tag aufs Neue danke ich Gott für diese drei unfassbaren Wunder!


My Time

Es geht heute aber nicht um meine grandiosen Kinder oder um Ihre Schulzeit – nein im Gegenteil, es geht um mich denn seit kurzem sitze ich selbst wieder hinter einer Schulbank.

Seit nunmehr 8 Monaten lasse ich mich jetzt schon zur Kosmetikerin ausbilden und sitze inmitten einer Klasse wunderschöner und sehr intelligenter Mädels im Alter von 16- 31 Jahren.

Ein bunt gemischter, quirliger Haufen und ich als Älteste, mit großer Freude mittendrin






Ich muss aber auch zugeben, dass die Situation anfänglich für mich etwas seltsam war. Morgens jetzt zwei Brotdosen für die Schule fertig machen, die Pausen auf dem Schulhof, das Melden im Unterricht, die jungen Menschen um mich herum und die Lehrer, die teilweise in meinem Alter sind.

Es gab durchaus Situation, in denen ich überlegte, ob es nicht sinnvoller wäre, wenn ich mich heimlich ins Lehrerzimmer schleiche, um meine Pausen dort zu verbringen.

Das was mir aber am meisten Schwierigkeiten bereitete, war das Handschriftliche. Wann schreibt man heute noch Seitenweise kluge Dinge auf Papier? Ich bin es gewöhnt mit dem PC zu arbeiten, darüber hinaus habe ich eine echte Sauklaue und ich brauche einfach länger, das nervt mich. Wann immer ich kann, nutze ich also auch noch weiterhin meinen Laptop.




Das Lernen an sich bekomme ich bis jetzt gut hin und meine „Schulzeit“ hat sich schneller in mein „eigentliches Leben“ einfügen lassen als gedacht. Man darf nicht vergessen, dass ich ja ein bereits „fertiges Leben“ führe, da musste erst einmal ein für alle annehmbarer Rhythmus gefunden werden.


Warum ?

In den letzten Monaten wurde ich vor allem gefragt: „Warum machst du das jetzt noch?“

Immer wenn mir diese Frage gestellt wird, fühle ich mich zwangsläufig älter, was heißt denn jetzt noch? Ist es mit ü-40 zu spät sich weiter- oder ausbilden zu lassen? Gibt es da eine bestimmte Altersgrenze, die an mir vorbeigegangen ist?

Ist es nicht vielmehr so, dass gerade in meinem Alter eine Menge für eine Ausbildung oder Weiterbildung spricht?!

  • Die Kids sind groß und eigenständig, benötigen keine Betreuung mehr, ich kann mich also vollkommen auf mein Vorhaben konzentrieren.

  • Arbeiten kann ich sehr gut auch weiterhin von zuhause aus, alles ein wenig Zeitversetzt aber es funktioniert hervorragend.

  • Ich verfüge über eine solide finanzielle Sicherheit, ich brauche mir also keine Gedanken darüber zu machen, ob ich diese Ausbildung stemmen kann.

  • Ich bin wesentlich ehrgeiziger, selbstbewusster, disziplinierter und motivierter als früher.

  • Mein Alter kommt mir sogar zugute, denn durch meine Lebenserfahrung erschließt sich mir ein Teil des Unterrichtsstoff aus der Logik heraus. Vieles hatte ich mir zuvor angelesen, einiges bereits selbst ausprobiert.

Allerdings gibt es auch Situation in denen ich mich selbst ausbremse. Ich glaube keiner hat größere Erwartungen an mich als ich selbst. Das sorgt aber auch dafür, dass ich mich dermaßen unter Druck setze, dass ich mich nach theoretischen Arbeiten, Tests oder einfachen Überprüfungen der erlernten praktischen Griffe und Anwendungen als Nervenfrack, schweißgebadet einfach nur noch nach Hause schleppe. Letztendlich vollkommen unnötig, denn ich habe mich in den letzten 8 Monaten sehr gut geschlagen.


Corona & Homeschooling

Corona versetzt dem Ganzen allerdings einen gewaltigen Dämpfer.

Leider habe ich viel zu wenig Präsenzunterricht und auch wenn alle meine Lehrer sehr bemüht, hilfreich und engagiert sind, so ist es dennoch nicht das Gleiche.

Nach den Sommerferien steht ein Praktikum an. Zwei Tage in der Woche für insgesamt 10 Monate parallel zur Schule.

Wenn ich jetzt daran denke in einem Kosmetikinstitut arbeiten zu müssen, packt mich die Angst.

Ich fühle mich noch nicht annähernd bereit dazu, was wohl der aktuellen Situation und dem wenigen Praxisunterricht geschuldet ist.

Wenn es nach mir gehen würde, würde ich noch 6 Monate dran hängen und das Praktikum erst im Februar machen wollen, aber mich fragt ja keiner. ;-)


Aber Homeschooling hat auch seine Vorteile, allem vorran ganz entspannt mit schlabber T-Shirt und Leggings, Kaffee trinkend auf dem Sofa Homeschooling-Aufgaben erledigen, wenn wir danach ist nebenbei noch eine Serie suchten und dafür auch noch gute Noten bekommen. Aber was nützen mir all die guten theoretischen Noten, wenn mir die Praxis flöten geht?! .... Ein Dilemma!



Trau dich etwas Neues anzugehen

Was ich aber in den letzten Monaten gelernt habe, ist das einem die Dinge, vor denen man am meisten Angst hat, letztendlich am weitesten voranbringen.

Dinge nicht anzugehen oder seinen Wünsche oder Interessen nicht nachzugehen, weil einem vielleicht die eigene Angst ausbremst oder weil es nicht in das gesellschaftliche Bild des Normalen passt, wäre ein Fehler, den man später bitter bereuen würde.

Trau dich es anzugehen, egal wie absurd es vielleicht auch im ersten Augenblick erscheinen mag. Letztendlich liegt es nur an dir wie du dein Leben gestaltest.

Da gehört dann einfach auch ein wenig Angst, Aufregung und „Anderssein“ dazu - und mal im Ernst, was wäre das Leben ohne ein wenig Aufregung. ;-)



Dia


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